Privatinitiative Polenhilfe e.V.

Polenhilfe e.V.
An der Weid 5
66871 Etschberg
Konto 100136266
KSK Kusel, BLZ

Bernd Moser aus Etschberg und der Verein Polenhilfe helfen seit über 15 Jahren Bedürftigen

---Quelle: DIE RHEINPFALZ---23.05.2005---
In Polen ist er ein bekannter und geachteter Mann.
Im Kuseler Raum kennen die meisten Menschen höchstens seinen auffälligen Kleinbus, auf dem groß
"Polenhilfe" geschrieben steht. Dabei hat Bernd Moser schon unglaubliches geleistet, um armen
Menschen in Polen zu helfen. Er tut dies ganz uneigennützig, zahlt vieles sogar aus eigener Tasche.
Und geht dabei manchmal sogar an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit, ruiniert seine eh
schon angegriffene Gesundheit.
Der 70jährige aus Etschberg war 1982 erstmals in Polen, zu einem privaten Besuch. Moser der lange
Jahre in Kusel ehrenamtlich als Sanitäter beim Roten Kreutz gearbeitet hatte, mußte bei einem solchen Besuch erste Hilfe leisten, als sich jemand verbrannt hatte. Und als er den Verletzten ins
Krankenhaus begleitete, sah er die dortigen Zustände: Katastrophal, ungefähr 30 Jahre hinter dem
deutschen Standard.
Moser handelte sofort. Zuerst ließ er das, was er an Verbandszeug dabei hatte, in Polen. Daheim angekommen, begann er Verbandsmaterial zu sammeln und mit dem Personenwagen nach Polen zu
bringen. "Das war natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein", erinnert er sich.
Doch die Sache kam ins Rollen: 1996 wurde der eingetragene Verein Polenhilfe gegründet. Seit fast 20 Jahren arbeitet er mit dem Kaiserslauterer Sanitätshaus Ank zusammen, das ihm ausgemusterte
Krankenbetten, Roll- und Toilettenstühle zur Verfügung stellt. Doch Moser tat noch andere Quellen auf.
Die Polenhilfe unterstützte unter anderem das Krankenhaus in Nysa (Neisse), das bei der großen Flutkatastrophe zerstört wurde und vollkommen saniert werden mußte. Im August 1999 knüpfte Bernd Moser Kontakte zur Caritas der Diözese Oppeln, mit der er seitdem sehr eng zusammenar-
beitet. Schon kurze Zeit später gingen ein kleiner und ein großer Lastwagen voller Betten, Roll- stühle, Toilettenstühle und mit einer Menge Kleider nach Polen. Moser koordiniert das Ganze, den Transport übernimmt ein Spediteur aus Oppeln, der sich in der Diözese sehr stark engagiert. Allein in diesem Jahr fuhren schon acht 40-Tonner-Sattelzüge voller Hilfsgüter von Kusel Richtung Osten.

Moser
Moser

Man nennt ihn auch den "Bettenbettler": Nicht weniger als 7000 Schlafgelegenheiten hat Bernd Moser mit seiner Polenhilfe schon dorthin gebracht. Es handelt sich um Betten, die in Deutschland aussortiert werden, nicht mehr der Norm entsprechen. Über Detlef Bojak, den Landesvorsitzenden des Jugendherbergswerks, bekam er Kontakt zu Jugendherbergen. so wurden bereits in fünf Jugend herbergen der Region, die entweder renoviert oder geschlossen wurden, die Betten und Schränke abgebaut. Zugute kamen diese Möbel hauptsächlich dem Obdachlosenheim von Bruder Georg in der Nähe von Lambinowice, dem früheren Lambsdorf.
Tätig ist die Polenhilfe aber in ganz Ober- und Niederschlesien. Seit Mai 2004 unterstützt sie auch ein Militärkrankenhaus und eine Augenklinik. Diese seien zwar staatlich, aber trotzdem nicht besser ausgestattet als andere. Bernd Moser berichtete, er habe geglaubt, dass die Zustände nach der Öffnung der Grenzen besser würden. Doch das Gegenteil sei geschehen. Besonders in Gegenden wie dem Bezirk Neiße, wo eine Arbeitslosigkeit um die 40 Prozent herrschte.
"Die hat das Hochwasser von 1997 sehr stark getroffen, davon haben sie sich nie mehr richtig erholt", berichtet Moser. Die großen Firmen hätten alle dichtgemacht, vor allem kleine Gemeinden seien schlichtweg vergessen.
Den Menschen in diesen Gebieten zu helfen, hat sich die Polenhilfe mit ihren gerade mal 14 Mit- gliedern zur Aufgabe gemacht. über die Caritas unterstützt man zum Beispiel die 64 Sozialstationen der Diözese Oppeln, aber auch viele Alten- und Pflegeheime, 18 Krankenhäuser und eben das Obdachlosenheim von Bruder Georg.
Damit er das tun kann, ist Bernd Moser ständig auf Betteltour, freut sich über jede Spende und Unterstützung. Er tut das rund um die Uhr und ohne Rücksicht auf Verluste - sei es finanzieller oder gesundheitlicher Art.

Arbeitsbesuch in der Woiwodschaft Oppeln

Mit eigenen Augen gesehen, dass Hilfe wirklich ankommt

Jochen Hartloff, Bernd Moser, Alfred Kehl und Detlef Bojak unterwegs

Vier Männer aus dem Landkreis Kusel machten sich auf die rund 1000 km lange Reise in die Woiwodschaft Oppeln. Diese Region in Polen ist nicht nur mit Rheinland-Pfalz partnerschaftlich verbunden, der Kreis Brzeg hat auch eine Partnerschaft mit dem Kreis Kusel. Und auch die vier Männer haben eine besondere Verbindung zu Polen.
Als "Chauffeur" fungierte Landtagsabgeordneter Jochen Hartloff, der sich schon lange vor Ort anschauen wollte, was Bernd Moser aus Etschberg, der Zweite im Bunde dort mit seinem Verein Polenhilfe geleistet hat. Mit von der Partie war außerdem der ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kusel, Alfred Kehl, Vorsitzender des Vereins "Pro Masuria". Und Detlef Bojak, ehemaliger Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Jugendherbergswerks. Er unterstützt seit geraumer Zeit die Arbeit von Bernd Moser - und stammt außerdem aus dem Gebiet im heutigen Polen.
Nur vier Tage hatten die vier Männer Zeit für ihre Reise, die voll gestopft war mit Programm und viele wichtige Erkenntnisse, aber auch neue Arbeitsaufträge brachte wie Jochen Hartloff brichtete.
Ein Thema war zum Beispiel die Jugendherberge, die über eine Stiftung des Jugendherbergswerks eigentlich auf dem Nationalheiligtum Annaberg errichtet werden sollte. Doch an Ort und Stelle sah die Kuseler Delegation gleich, dass die Örtlichkeit viel zu abgelegen wäre. in Gespächen mit dem Erzbischof sei man überein gekommen, dass ein Standort direkt in Oppeln viel günstiger wäre. Jugendherbergen wie in Deutschland gibt es in Polen nicht, dort handelt es sich um staatliche Einrichtungen, in die Schüler geschickt werden.
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Auch Alfred Kehl hatte in Polen ein konkretes Anliegen: Der Verein "Pro Masuria" beabsichtigt, beim bestehenden Gräfin-Dönhoff-Gymnasium in Mikolajki ein Internat zu bauen. Ziel ist die deutsch-deutsche Begegnung. Doch die deutsche Minorität in Masuren wollte dafür keine Mittel freigeben, berichtete Hartloff. Deshalb habe man mit dem Geschäftsführer des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaft in Polen, Niemann, ein Gespräch geführt. Der Landtagsabgeordnete will jetzt im Innenministerium klären, ob ein Vetorecht der deutschen Minorität in dieser Frage besteht.
Während Ihres Besuchs war die Delegation viel mit der Caritas unterwegs, die beste Kontakte zu Bernd Moser und dem Verein Polenhilfe unterhält. Besichtigt wurde unter anderem ein altes Erholungsheim, das die Caritas zu einem Begegnungszentrum ausbaut. Großen Eindruck hinterließ bei der Gruppe das Obdachlosenasyl, das Bruder Georg in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nysa (Neiße) geschaffen hat. Dort lebten zur Zeit des Besuchs 165 Menschen auf engstem Raum, teilweise 20 in einem Zimmer. Im Winter waren es schon 250. Um überhaupt alle unterbringen zu können, wurden im Hof des alten Gutes Container aufgestellt. Die Einrichtung ist einmalig für Polen. Die Menschen versorgen sich selbst, die Not ist groß. Dringend gebraucht wird Verbandsmaterial, aber auch Decken, Kleider, Küchenutensilien und ähnliches. Die ausgemusterten Betten aus Jugendherbergen, welche die Polenhilfe dorthin schaffte, ersetzen alte, kaputte Metall-Etagenbetten. Auch hier konnten sich die Besucher davon überzeugen, dass die Hilfe aus Deutschland wirklich ankommt.
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Ein weiterer Besuch galt einer Altenpflegestation in Brzeg. Dort hat Leiterin Beata Guzak so etwas wie eine geriatrische Station aufgebaut - ebenfalls mit Betten, die Bernd Moser anlieferte.
Ein Sterbehospiz hat die Caritas in der Nähe von Oppeln errichtet, etwas ganz Neues für Polen. Es hat, so versichert Hartloff, durchaus auch Vorbild-Charakter für Deutschland. Die komplette Ausstattung stammt - natürlich - vom Verein Polenhilfe.
Eindrucksvoll war für die Besuchergruppe auch eine Audienz bei Erzbischof Dr. Alfons Nossol. Bei dem Treffen, sehr privat gestaltet, seien viele Fragen angesprochen worden, auch die der geplanten Jugendherberge und das Verhältnis der deutschen Minorität zu den Polen.
Dass es so etwas wie den integrativen Kindergarten in Kusel auch in Polen gibt, zeigte ein weiterer Programmpunkt. Eine solche Einrichtung hat die Caritas in Oppeln geschaffen - und Bernd Moser lieferte die notwendigen medizinischen Geräte.
Besucht wurde schließlich auch noch ein Lager, das die Caritas eigens eingerichtet hat, um die von der Polenhilfe angelieferten Sachen unterbringen zu können. Dort wird außerdem noch ein Ersatzteillager aufgebaut. Und ganz nebenbei werden auch nocheinige Arbeitsplätze geschaffen.
Jochen Hartloff hat als Abgeordneter einige Arbeitsaufträge von diesem Besuch mitgenommen. Und die Überzeugung gewonnen, dass sich seit seinem letzten Besuch einiges getan hat in Polen. Die Leute setzten große Hoffnung in die Europäische Union.
Trotzdem sei in der Woiwodschaft - vergleichbar einem Bundesland in Deutschland - noch einiges zu tun. Die Hilfe wolle man unter den Partnerschaftsgedanken stellen und keine Almosen verteilen, betont Hartloff. Und wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man ohne die Arbeit von Bernd Moser und seinem Verein Polenhilfe in vielen Bereichen noch nicht so weit wäre.

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